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Alle, die sich jetzt erschrocken haben: Ich zeige KEINE einzige Spinne in diesem Newsletter. Es gibt weiter unten einige Informationen über diese wundervollen Tiere und hilfreiche Tipps, sich trotz Aversion ihnen etwas anzunähern. |
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Erstmal möchte ich meine Freude mit euch teilen. Meine Freude über das Wildnis-Schild "Ausgezeichnet für Artenvielfalt" und das gesamte Projekt.

Es ist das beste Projekt, dass ich jemals gemacht habe. Ich liebe es jetzt schon, auch wenn es erst seit zwei Wochen alles online ist. Die Info-Seite, das Buchungssystem und das ganze Zertifzierungsverfahren.
Ich bin so begeistert, wie viele von euch sich schon die Unterlagen heruntergeladen haben - und mir auch schon wieder zurückgeschickt haben. Heißt: ich habe in meinem Briefkasten nicht mehr nur Rechnungen und Behördenpost. Sondern eure wundervollen Wildnis-Workbooks. Ich genieße es, eure liebevoll und ausführlich ausgefüllten Bewerbungsunterlagen durchzulesen, die wundervollen Fotos und Skizzen anzuschauen. Ich lerne euch und eure Wildnis kennen, erfahre kleine Erlebnisse und bekomme teils wundervolles Feedback.
Die ersten Schilder hängen bereits bei euch und machen Werbung für Wildnis im Garten. Auf Balkonen, im Hinterhof, im Kleingarten, auf der Grabstelle.

Und ich habe sogar Einkommen. Denn ja, es ist nicht ganz umsonst. Das Schild, die Vorbereitungen, die Auswertungen - auch wenn sich das alles für mich ganz und gar nicht nach Arbeit anfühlt, stecke ich viel Zeit und Material hinein. Und Miete zahlen muss ich halt auch.
Für all die Neuen, die seit der letzten Ausgabe der KrautundBücher-News dazu gekommen sind und vielleicht gar nicht wissen, worum es geht:
Darum:
Wildnis in Gärten ist wichtig und richtig! Aaaaber: Die Öffentlichkeit, Nachbarn, Vermieter und Co bemäkeln Wildnis oft oder schicken sogar das Ordnungsamt. Weil Ordnung ja sein muss. Um das zu ändern habe ich vor einigen Monaten mit einem Crowdfunding und der Community dieses „Ausgezeichnet für Wildnis“-Schild „erschaffen“. Damit möchte ich all die – ob geschmäht oder nicht – Wildnisgärten und -balkone auszeichnen. Als Anerkennung, als Trostpflaster, als Zeichen, dass Wildnis wichtig und richtig ist. Damit sich Sehgewohnheiten ändern, damit sich ändert, „was sich gehört“.
Dieses Schild könnt ihr euch nicht einfach bestellen. Aber verdienen. Wie genau, habe ich auf einer extra Seite auf meiner Website zusammengestellt: Wildnis ist in Ordnung
Die kurze Version ist so: Wenn ihr mein Schild für euren wilden Garten haben wollt, dann geht in meinen kleinen Onlineshop. Dort legt ihr euch das Zertifizierungspaket in den Warenkorb. Es enthält: Ein Workbook mit vielen Informationen über das Wildnis-Gärtnern, einen ausführlichen Fragebogen, durch den ich euren Garten, eure Wildnis, kennenlernen kann, ein Vision Board für eure Pläne und Ideen, eine Fotoanleitung und eine klare Anleitung, wie ihr alles einreicht.
Keine Angst: Das Workbook ist keine Prüfung, sondern eine Einladung. Ich bin nicht die Wildnis-Polizei. Es wird Spaß machen und ihr werdet viel lernen. Und ich bin sooo neugierig, eure Wildnis kennenzulernen.
Wenn alles ausgefüllt ist, schickt ihr alles zu mir zurück. Ich werte es wohlwollend aus, melde mich bei euch – und dann bekommt ihr euer Schild.
Viele weitere Fragen - kann man auch mehrere Schilder bekommen (ja), gibts eine Deadline (nein) usw. beantworte ich auf der Wildnis-Seite meiner Website. Oder fragt mich einfach.
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, denn: nach dem Sommer mit Dürre und Starkregen, Ernte und Verblühtem sieht der Garten vielleicht wild aus. Besser als Abmähen ist Auszeichnen mit einem Schild. |
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Wofür ist jetzt außerdem der beste Zeitpunkt? Für Spinnen, vor allem für schöne Fotos von großen Radnetzspinnen wie Kreuzspinnen oder Wespenspinnen, die ihre Netze zwischen Himbeerruten, Gräsern oder verblühten Blumenstängeln aufspannen und der Morgentau sie malerisch mit Wassertropfen verziert. |
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Ich weiß aber, dass Spinnen sind für viele kein erhebender Anblick sind.
Gleichwohl sind Spinnen tolle Tiere mit einem blöden Image und ökologisch sehr bedeutsam. Ich kenne viele, die sich gerne mit ihnen anfreunden würden, aber es extrem schwer fällt. Wenn es euch auch so geht, dann kommen hier einige Tipps:
1️. Wissen hilft: Das schlechte Spinnen-Image hat nichts mit Fakten zu tun. Spinnen jagen mit Gift, aber Menschen sind nicht im Beuteschema. Sollte eine Spinne doch mal beißen, kommt sie meist nicht durch die dicke Menschenhaut. Wenn doch, ist es wie ein Wespenstich. Nicht schön, aber nicht tödlich.
2. Kontakt hilft: In kleinen Schritten. Beobachtet Spinnen von weitem. Draußen. So weit weg, dass euer Körper keinen Alarm schlägt. Wenn das klappt, dann ein bisschen näher ran ... Oder wenn ihr drinnen einen Spinne im Glas fangt, aus der Nähe, aber auf sicherem Abstand.
3. Fangt an mit Spinnen, die für Menschen „schön“ oder „niedlich“ aussehen: Springspinnen zum Beispiel haben kurze Beine und schöne Muster.
4. Schaut Bilder an von schönen Spinnen, auf Instagram gibt es wahnsinnig tolle Accounts, zum Beispiel mit Makros von Spinnengesichtern.
5. Lest Geschichten, schaut (Kinder-)Filme in denen Spinnen eine GUTE Hauptrolle spielen. Animierte Filme sind oft „harmloser“ als Filme mit echten Spinnen.
Warum es sich lohnt: Spinnen sind unverzichtbar für unser Ökosystem. Sie halten Mücken und Schädlinge in Schach und tragen enorm viel zur Artenvielfalt bei. Unter anderem sind sie wichtiges Igel-Futter. Und sie sind unglaublich faszinierende Wesen; es ist schön mit ihnen befreundet zu sein, schöner als Angst vor ihnen zu haben.
Viele Informationen rund um Spinnen findet ihr auch in meinem Blogbeitrag: Spinnen sind Freundinnen. |
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Spinnen im Morgentau sind mein Highlihgt des Spätsommers. Das Highlight im Juni und Juli waren die Glühwürmchen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht, denn nur selten kann man sie noch beobachten, wie sie durch Wäder und Wiesen schwärmen und leuchten, immer auf der Suche nach Dates.
Den Rest des Jahres kämpfen sie ums Überleben, aus vielen Gründen. Mit wenig Aufwand können wir den Glühwürmchen im Garten gut dabei helfen. Wie genau, das habe ich euch im Blogbeitrag "Glühwürmchen" zusammengestellt. |
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Eins der größten Probleme der Glühwürmchen ist Lichtverschmutzung.
Und deshalb wird es jetzt hier dunkel:
Das Garten Glow-Up des Monats - ist eigentlich ein Glow Down: denn zuviel Licht ist schädlich.
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Spot aus – Sternenlicht an
Leuchtende Glühwürmchen in der Sommernacht, der beeindruckende Sternenhimmel in den Bergen oder am Meer – Licht im Dunkeln hat etwas Magisches. Auch im Garten. So wie es Pflanzpläne gibt, gibt es auch Lichtkonzepte und die dazu passende Ausstattung im Baummarkt. Einfach zu handhabende Technik zu erschwinglichen Preisen, um hier einen Baum, dort einen Strauch in Szene zu setzen, die Wege und die Terrasse hell zu beleuchten.
ABER:
Das Leben auf der Erde ist seit Milliarden Jahren auf das von der Sonne und Erdrotation vorgegebene Hell und Dunkel angepasst. Nicht nur der Schlaf-Wach-Rhythmus einzelner Lebewesen, sondern ganze aufeinander eingespielte Ökosysteme kommen durcheinander, wenn die Nacht zum Tag gemacht wird. Blumen blühen zu früh oder produzieren Nektar und Duftstoffe dann, wenn Insekten nicht damit rechnen. Pflanzen und Tiere haben ihre Rhythmen im Verlauf der Koevolution aufeinander angepasst, und das braucht Zeit. Bäume werfen ihr Laub zu spät ab – weil sie denken es sei noch Sommer. Und wenn Strahler von unten in die Bäume leuchten oder ins Gebüsch, kann kein Vogel in Ruhe sein Nest bauen, geschweige denn brüten. Blätter werden dicker und fester, so dass kein Insekt mehr daran fressen kann. Täglich kommen neue Erkenntnisse ans Licht - was Licht so alles anrichten kann. Auch für uns Menschen.
Fest steht: Zu viel Licht ist eine der Ursachen für das Insektensterben.
Glühwürmchen sind das Paradebeispiel. Eigentlich völlig unscheinbare braune Käfer werden in der Dämmerung der Sommermonate zu magischen Wesen. Die Glühwürmchen-Männer schwirren umher, auf der Suche nach Weibchen – die um die Wette leuchten. Die Männchen suchen gezielt nach Lichtpunkten in der Dunkelheit, dort, wo es sehr hell ist, fliegen sie nicht hin. Sitzen die Weibchen unter einer hellen Lampe, passiert gar nichts. Keine Hochzeit, keine Eier, keine neuen Glühwürmchen.
Klar, im Garten geht es auch ohne Glühwürmchen. Viele von euch haben vielleicht ohnehin keine im Garten. Aber auf Dauer geht es nicht ohne Insekten und andere Krabbeltiere. Sie bestäuben nicht nur unsere Apfelbäume und zersetzen den Kompost, sie sind auch für viele andere Tierarten die wichtigste Nahrungsquelle. Die Natur ist ein solch dynamisches System, dass es schlecht vorherzusagen ist, welche Folgen es hat, wenn sich das Verhältnis aus Beutegreifern und Beute oder aus Pflanzenfressern und Allesfressern verschiebt; und sich die Anzahl an Destruenten, die alles Tote zersetzen, verändert. All diese Wesen sind mit-, gegen- und untereinander verbunden, wie in einem Netz. Löst sich ein Faden, geht ein Knoten kaputt, kann das ganze Netz zusammenfallen.
Wie wird der Garten also lichtsauber:
Macht eine Bestandsaufnahme möglichst, wenn es dunkel ist, dann erkennt man gut, wo Lampen oder dunkle Ecken sind. Wo leuchtet was wie? Welches Leuchtmittel, welche Technik wird verwendet, wo strahlt das Licht hin: nach allen Seiten, ins Gebüsch oder nur nach unten? In welcher Höhe und in welcher Lichtfarbe: eher warm oder kalt blau?
Überflüssig ist zum Beispiel alles, was ausschließlich dekorativen Zweck hat. Lichterketten und Leuchtkugeln im Beet zum Beispiel. Was nötig ist, damit keiner stolpert, lässt sich abmildern.
- Zum Beispiel bei der Lampe den Strahlungswinkel so verändern, dass das Licht nicht genau auf Bäume, Wiese oder Teich leuchtet.
- Oder das Licht niedriger anbringen.
- Kleine Lampen, die in Knöchelhöhe den Weg erleuchten, bringen Sicht und Sicherheit und stören die Tierwelt weit weniger als in 1 m Höhe.
- Wichtig ist auch noch, dass die Lampen geschlossen sind und Insekten nicht aus Versehen hineinkommen und nicht wieder herausfinden. Von einer Lampenoberfläche können die Tierchen wieder weg, wenn das bannende Licht ausgeschaltet ist.
- Auch Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren helfen. Das Licht geht dann nur an, wenn es gebraucht wird, und keiner kann vergessen, die Beleuchtung auszumachen.
- Je weniger Lumen pro Lampe, desto besser außerdem. Auf der Terrasse zum Beispiel sind mehrere lichtschwache Lampen besser als eine, die stark genug ist, den ganzen Platz zu erhellen.
- Was dann noch leuchtet, wird mit warmweißen Leuchtmitteln ausgestattet.
Was ist "warmweiß"? Bei Leuchtmitteln gibt es neben der Wattzahl noch weitere Maßeinheiten: den Lichtstrom oder die Lichtstärke in Lux und die sogenannte Lichtfarbe, gemessen in Kelvin. In der Alltagssprache haben wir dafür Begriffe wie warm, neutral oder auch kalt oder blauweiß.
Je wärmer ein Licht, desto weniger Kelvin. Je mehr Kelvin, desto kälter wirkt ein Licht und umso mehr blendet es auch. Das kennt ihr vielleicht von den bläulichen Autoscheinwerfern. Den Insekten geht es ähnlich, je kälter, desto mehr werden sie davon in den Bann gezogen. Je weniger Kelvin, desto insektenfreundlicher. Das ist auf der Verpackung in der Regel vermerkt: Leuchtmittel für den Außenbereich mit der Lichtfarbe Amber haben 1700 bis 2200 Kelvin. Die Lichtfarbe Warmweiß hat 2700 bis 3300 Kelvin. Alles darüber, neutralweiß und tageslichtweiß, ist zu »kalt« und ökologisch nicht vorteilhaft.

Übrigens: Auch Solarlampen verursachen Lichtverschmutzung: Sie brauchen keinen Strom, sondern nutzen die Sonne als Energiequelle. Das sollte aber nicht dazu verführen, den Garten mit vielen Solarleuchten auszustatten. Außerdem: Zur Herstellung werden Ressourcen und Energie verbraucht, deshalb ist weniger auch hier mehr. Solarlampen vom Angebotsstapel des Discounters haben oft keine lange Lebensdauer. So entsteht zum Lichtsmog auch noch Elektroschrott. |
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Gut bepflanzt ist halb beleuchtet
Gut gepflanzt, ist halb beleuchtet. Denn dass nachts alle Farben grau sind und die Blümelein schlafen, stimmt nicht. Auch bei den Blumen gibt es nachtaktive Arten, als Knollen- oder Zwiebelpflanze, als Staude oder einjährigen Selbstversamer. Sie blühen, leuchten, duften in den Abendstunden. So machen sie den Tag auch nicht länger, aber den Feierabend im unbeleuchteten Garten zum Genuss. Allen voran eignen sich dafür weiße Blumen. Weiß ist keine Farbe, sondern ein Gemisch aus allen Einzelfarben – wie das Sonnenlicht. Weiße Blüten leuchten deshalb auch noch im fast Stockdunklen wie kleine Sterne, Margeriten zum Beispiel. Von vielen gängigen Gartenblumen gibt es weiße Varianten, von Akelei über Glockenblume bis Storchschnabel.
Auch Pflanzen mit hellem, filzigem, silbrigem oder weißgrünem Laub sind wie kleine Gartenlampen, sie verstärken das Mondlicht und lassen ihre Blätter und Stängel leuchten: Wermut zum Beispiel, Edelraute, Wollziest, Königskerze, viele Kräuter wie Lavendel oder Salbei.
Manche Blumen beginnen erst nachts so richtig zu duften, um potentielle Bestäuber auf Nektarsuche anzulocken Nachtviolen und Seifenkraut beispielsweise. Nachtkerzen blühen von Juni bis Oktober Abend für Abend mit neuen Blüten, die dann die ganze Nacht hindurch leuchten und duften – und viele, viele Nachtfalter locken. |
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Noch mehr Pflanzen-Vorschläge und auch eine ganz ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für den lichtsauberen Garten findet ihr in meinem Buch "Mein Garten - mehr Arten".

Darin bekommt ihr noch viele Garten-Glow-ups mehr. Auch alle Projekte in ausführlich, die bereits in den vorherigen Ausgaben der KrautundBücher-News beschrieben wurden und die ihr vielleicht verpasst habt: Regenspeicherbeet oder Wilde Wiese statt englischer Rasen.
Jede Menge Pflanzen-Ideen für den leuchenden und gleichzeitig dunklen nachaktiven Garten bekommt ihr in meinem "Selbst ist die Pflanze".

Beide Bücher gibt es überall wo es Bücher gibt; und auch in meinem kleinen Online-Shop. Dann sogar mit Widmung, wenn ihr mögt.
Für alle, die weniger gerne lesen, sondern lieber gleich loslegen wollen, gibt es passend zum Buch eine lange Liste als EBooklet: "Lass das mal die Blumen machen" |
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So, und jetzt die Neophyten
Einige von euch sind vermutlich deswegen in meinem Newsletter "gelandet". Auf Instagram hatte ich in den einigen Posts angekündigt, das Thema Neophyten und Neozoen noch einmal ausführlich im Newsletter oder Blog aufzugreifen – mit einem FAQ und Antworten auf eure vielen Fragen.
Ich habe mich ein bisschen umentschieden. Auf Instagram ist die Debatte schnell etwas ausgeufert, in genau die Richtung, die ich eigentlich vermeiden wollte. War vielleicht naiv von mir, etwas anderes zu erwarten, weil es einfach ein "aufgeladenes" Thema ist und das schnell in Schwarz - Weiß kippt. Polarisierung zieht auf Social Media, ist aber nichts was mir Freude macht und ich finde es auch dem Thema nicht angemessen. Ich möchte meine Energie nicht in eine Debatte stecken, in der echte Fragen und Unsicherheiten überrollt werden. Deswegen werde ich die häufigsten Fragen zum Thema Neobiota und meine Antworten darauf in einem PDF sammeln. So wie es auch in meinen Büchern steht, die aber natürlich immer nur ein winziges Kapitel enthalten und ich finde, man muss nicht das Buch kaufen müssen, um von mir Antworten zu bekommen.
Dafür gibts jetzt das PDF. So kann ich fundiert antworten, ohne jedes mal alles ausführlich neu schreiben oder sagen zu müssen. Ohne dass Diskussionen entgleiten oder Fragen untergehen. Wer das PDF lesen mag, bekommt den Link per Mail; schreibt mir einfach eine Mail an redaktion@krautundbuecher.de. Und wenn ihr dann noch Fragen habt, dann schreibt ihr mir einfach nochmal. Ich antworte nicht immer sofort, aber ich antworte. |
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Und wenn ihr euch jetzt fragt: Häh, Neophyten, worum gehts genau, dann kommt hier die Kurzversion:
Nach der letzten Eiszeit war es hierzulande öde und leer, die meisten Arten waren verschwunden. Was heute typisch ist für unsere Landschaft, kam von anderswo. Manches wanderte auch mit den Menschen ein. Schneeglöckchen, Klatschmohn und Kornblumen, Hasen, Feldlerchen und Schwalbenschwänze. Nach der Landung von Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent – 1492 – ging das noch mal schneller. In biologischem Fachdeutsch heißen alle Pflanzen, die danach kamen, deshalb Neophyten: neue Pflanzen. Bei Tieren sagt man Neozoen. Zusammengefasst: Neobiota. Manche dieser Neuankömmlinge fühlen sich sauwohl und verbreiten sich schnell. Viele Lebensräume hier sind durch intensive Landwirtschaft, Abholzung, Flächenversieglung, Straßenbau und Ordnungswahn gestresst und kaputt. Für so manchen Neuling ist das ein Schlaraffenland. Keiner bremst sie. Der Tross aus Fressfeinden, Krankheiten und Parasiten braucht oft länger fürs Einwandern. Für manche Arten – Schmetterlingsflieder, Nilgänse, Waschbären – wird die eigentlich neutrale Bezeichnung oft mit dem Zusatz „invasiv“ oder „aggressiv“ verwendet. Weil sie sich weit verbreiten und Schäden anrichten: im Obstbau, in der Forstwirtschaft, in Naturschutzgebieten, oder wenn sie aus Sicht die Landschaft, die wir als Heimat kennen, anders aussehen lassen. Den "heimischen" Siebenpunkt-Marienkäfer lieben alle. Der neue asiatische Harlekin-Marienkäfer wird gerade zu gehasst. Als „fremde“ Art, die unsere Heimat „überrollt“, die es gilt „auszumerzen“. Solches Stammtischvokabular ist typisch für das Thema, vor allem in den sozialen Medien. Wer sich unbedarft freundlich über Kirschlorbeer oder Goldrute äußert, wird beschimpft und beschämt, genauso wie Menschen, die für einen sachlichen Umgang plädieren. Dabei spricht einiges dafür: Ökologisch hat kein Tier, keine Pflanze das absichtliche Ziel, anderen zu schaden. Mit schwerem Geschütz und Pestiziden gegen Neobiota vorzugehen, schadet immer auch heimischen Arten. Wer will schon entscheiden, welche Pflanzenarten mit den Klimaveränderungen gut zurechtkommen – und überleben werden? Mit meinem Wildnis-Garten bin ich da fein raus. Ich pflanze solche Arten nicht mit Absicht. Aber wenn sie da sind (vom Vor-Gärtner) oder wenn sie plötzlich auftauchen, muss ich ihnen auch nicht böse sein. Ich kann einfach, ob ich sie jäte (wie das ein oder andere auch), ersetze oder ergänze. Mit etwas artenvielfalts-freundlicherem.
Was ist das, artenvielfaltsfreundlich?
Keine schnellen Sonderangebote aus dem Gartencenter, die voller Pestizide stecken und mit viel synthetischem Dünger in Gewächshäusern gezüchtet wurden. Die dem Bodenleben nichts zu bieten haben und Insekten eher schaden als ihnen nützen.
Keine tollen Züchtungen mit tuffig gefüllten Blüten; die sind oft zu voll, als das noch ein Insekt hineinkommen könnte. Viel zu holen ist ohnehin nichts, denn die pollenproduzierenden Staubblätter sind oft zu Blütenblättern umgezüchtet worden. Die Blüten sind steril, dementsprechend gibt’s auch später keine Samen oder Früchte für die Vögel.
Sondern: Vielfalt an wilden Pflanzen, mit einer Vielfalt an Funktionen: Blüten für Wildbienen und Schwebfliegen, dichte Sträucher für Nistplätze, Samen und Früchte, Pflanzen, die Laub und Gestrüpp bieten als Winterplatz für Igel und Schmetterlinge, als Materiallager für Nistplätze. Pflanzen, die Blattläuse anziehen und Käfer und Schwebfliegen ernähren, stabile Stauden für Spinnenetze, Vielfalt an Stockwerken, auch unter der Erde. Denn das Bodenleben ist mindestens so wichtig wie das gründe Dach darüber.
Wenn ihr Pflanzen-Wünsche habt, informiert euch vor der Anschaffung, wie artenvielfaltsfreundlich sie sind. Ob sie gut funktionieren – für Insekten, Vögel, Igel und Co, wie wild und klimawandeltauglich die jeweilige Art ist.
Das geht zum Beispiel auf den Seiten des Nabu oder bei Natura-DB - dort gibts auch gleich noch Bezugsquellen dazu. In Onlinegärtnereien lassen sich oft Filter einstellen und wenn ihr selber recherchiert, zum Beispiel mit KI, dann nutzt zum Beispiel diese "Befehle":
„Ist [PFLANZENNAME] eine artenvielfaltsfreundliche Pflanze – im Sinne eines lebendigen, naturnahen Gartens? Welche ökologischen Funktionen erfüllt sie für welche verschieden Tierarten als Nahrung, Struktur oder Lebensraum?"
„Ich suche Pflanzen für [Ort z. B. Balkon / Grab / halbschattiger Garten], die möglichst viele Tierarten unterstützen – Vögel, Insekten, Igel. Sie sollen ökologisch möglichst vielseitig sein. Welche artenvielfaltsfreundlichen Pflanzen würde Sigrid von www.krautundbuecher.de empfehlen?“
„Ich habe [PFLANZE], weiß aber, dass sie ökologisch problematisch ist. Ich möchte den Garten artenreicher machen, mit möglichst viel Grün und Blüten, Strukturen, Funktionen und Lebensräumen. Welche Vorschläge hätte Sigrid von www.krautundbuecher.de als Ergänzungen oder Alternativen?“
„Ich möchte [PFLANZENNAME] kaufen. Ist diese Pflanze artenvielfaltsfreundlich? Welche Tiere profitieren von ihr – und welche nicht? Ist sie standorttauglich und robust oder eher eine pflegeintensive Modepflanze ohne ökologischen Wert? Bitte beantworte das im Sinne von wilden Gärtnern, wie Sigrid von www.krautundbuecher.de es empfehlen würde."
„Welche Pflanzen eignen sich für [JAHRESZEIT / REGION / BODEN / GARTENART], wenn ich möglichst viele Tierarten fördern will? Bitte eine Liste mit Blütenpflanzen, Sträuchern und Kräutern, die Nektar, Pollen, Samen, Versteck oder Futter nicht nur für Generalisten sondern auch für Spezialisten bieten."
... oder so in der Art. Ich denke, das Prinzip ist aber klar :-) |
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- Genieße ich die Ferien und feiere mein Regenbeet. In wenigen Wochen hat es sich vom Erdloch zur blühenden Schlamm-Oase gewandelt und der Hund liebt es auch. Wenn ihr die letzte Ausgabe der KrautundBücher-News verpasst habt und euch fragt: Regenbeet, was ist das? Dann könnt ihr alles nachlesen im Blog-Beitrag: Wasser lässt den Garten leben.

- Zwischendurch sitze ich intensiv am neuen Buch "Patchwork-Garten" - aber darf noch nichts verraten. Aber bald! Es sind so schöne Illustrationen dabei und überhaupt.
- Freue ich mich weiter über Unterstützung für mein aktuelles Crowdfunding "Blumen statt Flyer".
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Und zum Schluss: Mal was anderes als die übliche Kürbis-Deko. Im August überschneiden sich Melonenzeit und Kürbis-Ernte, außerdem haben die Kids vielleicht Ferienlangeweile. Mit diesem Basteltipp könnt ihr spielen, dekorieren und hinterher sogar eure Bastelobjekte noch essen. Neugierig? Dann klickt hier.
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