Frühblüher sind toll

Fast, bald, endlich: Krokusse, Schneeglöckchen, Blausternchen und andere Frühblüher sind da.

Frühblüher sind Pflanzen, die sehr früh im Jahr blühen, oft schon im späten Winter oder zeitigen Frühjahr. Ihr Trick: Sie wachsen nicht aus Samen, die erst bei Wärme keimen müssen, sondern aus Zwiebeln oder Knollen. Diese liegen den Sommer über im Boden, sammeln Kraft und Energie und warten geduldig. Sobald die Tage wieder länger und heller werden, legen sie los. Egal, ob es morgens noch friert und der Winter eigentlich noch nicht ganz vorbei scheint.

Viele Frühblüher sind ursprünglich Waldbewohner. Sie nutzen die kurze Phase, in der die Bäume noch kahl sind und viel Licht bis auf den Boden fällt. Wenn sich später das Blätterdach schließt und es unten dunkel wird, ziehen sie sich schon wieder zurück und halten Sommerschlaf.

Frühblüher mehr sind als Frühlingsfreude für uns Menschen

Frühblüher sind nicht nur schön, sie sind auch lebenswichtig. Für viele Insekten sind sie das erste Frühstück des Jahres. Wenn Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen oder frühe Schmetterlinge aus der Winterruhe erwachen, blüht oft noch kaum etwas anderes. Krokusse, Schneeglöckchen, Narzissen oder Winterlinge liefern dann dringend benötigten Pollen und Nektar.

Ohne diese frühen Blüten hätten viele Insekten ein echtes Problem. Und der Klimawandel verschärft es: denn weil alles immer wankelmütiger wird, klappt es mit dem Rhythmus nicht immer: die Tiere gehen zu spät ins Bett, stehen zu früh auf – gut also, wenn genug Futter für alle Eventualitäten im Angebot ist. 

Frühblüher hat man also nie genug. Im Herbst ein kleines Vermögen für Blumenzwiebeln auszugeben und deren Blüte im Frühling entgegenzulechzen – ist einfach nur Artenschutz 🙂 Also falls ihr ein Argument braucht, jedes Jahr neue und mehr zu kaufen.

Was ihr konkret tun könnt

Im Garten

Gepflanzt werden Frühlingsblumenzwiebeln im Herbst. Ideal sind Standorte unter Bäumen und Sträuchern, wo sie im Frühling viel Licht bekommen und im Sommer beschattet sind. Wichtig ist, dass sich dort kein Wasser staut, vor allem nicht im Sommer – sonst faulen die Zwiebeln. Eine Ausnahme ist die Schachbrettblume, die nasse Füße liebt.

Auch Wiesen und Rasenflächen eignen sich gut, solange zur Blütezeit genug Licht da ist. Viel Licht bedeutet viel Photosynthese, viel Energie und damit kräftige Zwiebeln für das nächste Jahr. Voraussetzung ist allerdings, dass die Pflanzen nach der Blüte in Ruhe „einziehen“ dürfen. Also schön lange warten mit dem ersten Mähen (Win-Win für die Artenvielfalt).

Das Einziehen sieht nicht so schön aus: gelbe, schlappe, strohige Blätter. Aber diese Phase ist wichtig. Die Blätter sammeln Energie und schicken sie zurück in die Zwiebel. Erst wenn die Blätter sich fast von selbst lösen – meist nach fünf bis sechs Wochen – dürfen sie weg. Werden sie zu früh abgeschnitten, gehen die Pflanzen ein. Ein bisschen so, als müsste ein Igel ohne Fettpolster in den Winterschlaf. 
 
Oft wird auch empfohlen, die Köpfe abzuschneiden, „damit keine Kraft in die Samenbildung geht“. Das ist natürlich Quatsch, und allenfalls für hochgepimpte Zuchttulpen-Zimperliesen nötig. Schneeglöckchen und Co sollten unbedingt Samen bilden können. Nur so vermehren sie sich – und auch die Samen ernähren viele Tiere.

Schneeglöckchensamen zum Beispiel tragen kleine, süße Anhängsel, flapsig „Ameisenbrötchen“ genannt. Darauf sind Ameisen ganz verrückt: Sie schleppen die Samen davon, fressen das Leckerli und lassen den Samen liegen. Im nächsten Jahr wachsen dann an ganz unerwarteten Stellen neue Blumen. Das sieht oft viel natürlicher und schöner aus, als wenn wir Menschen alles ordentlich einpflanzen.

Auf dem Balkon

Auch auf dem Balkon können Frühblüher eine Rolle spielen – vor allem als Übergang. Viele Arten lassen sich gut in Töpfen halten. Wichtig ist, dass die Töpfe hell, frostgeschützt aber nicht zu warm stehen und regelmäßig gegossen werden. Nach der Blüte gilt auch hier: Blätter dranlassen, bis sie von selbst einziehen. Sind die Töpfe groß genug, können dann einfach andere Stauden die Optik übernehmen und im nächsten Jahr kommen Krokus und Co wieder. 

Frühblüher sind wertvolle, kleine Spezialisten:

  • Sie nutzen Licht und Zeit, bevor andere Pflanzen starten.
  • Sie sind ein wichtiges Nahrungsangebot für frühe Insekten.
  • Es gibt für fast jeden Standort die passenden Frühblüher: Schneeglöckchen mögen feuchte Gehölzränder, Krokusse lichte Wiesen, Narzissen sind Sonnenkinder und wollen es hell, Traubenhyazinthen und Tulpen wachsen am besten in warmen, durchlässigen Böden. 
  • Sie brauchen Geduld nach der Blüte – auch wenn es unordentlich aussieht.
  • Im Herbst freuen sie sich über eine schöne fluffige Schicht Laub. Das bringt Nährstoffe und isoliert gegen Frost.

FAQ: Fragen & Antworten

Warum sollten die Blätter nach der Blüte dranbleiben? 
Weil die Pflanze über die Blätter Energie sammelt und in der Zwiebel speichert. Ohne diese Phase bleibt die Blüte im nächsten Jahr aus.

Kann ich Frühblüher im Rasen haben?
Ja, das funktioniert gut. Wenn ihr bestimmte Bereiche später mäht freut sich die Artenvielfalt. Soll der Rasen eher „ordentlich“ aussehen, dann könnt ihr Frühblüher in lockeren Inseln wachsen lassen und um diese Inseln drumherum mähen.

Vermehren sich Frühblüher wirklich von selbst?
Viele ja. Manche über Brutzwiebeln, andere über Samen. Schneeglöckchen und Krokusse nutzen dafür gern Ameisen, die die Samen weitertragen.

Sind alle Frühblüher gleich gut?
Am besten sind eher wilde Arten und Sorten, wie Schneeglöckchen, Krokusse oder Traubenhyazinthen, Blausternchen und Wildtulpen kommen sehr zuverlässig wieder und ernähren die Tierwelt. Andere, etwa viele Tulpen, sind stärker auf extra Behandlung angewiesen und kommen manchmal trotzdem nicht wieder. 

Sind alle Frühblüher Zwiebelblumen?
Nein. Es gibt auch viele andere Pflanzen, die schon früh im Jahr blühen – und wichtig sind für Schmetterlinge, Hummeln, Käfer und Ameisen: Veilchen und Schlüsselblumen, Taubnesseln, Gänseblümchen oder Löwenzahn. Und: es gibt auch Zwiebelblumen nicht für den Frühling Jahr: Herbstkrokusse zum Beispiel.  

Wohin mit Frühblühern von der Fensterbank?

Wenn es draußen noch kalt ist, holen wir uns gerne den Frühling ins Haus und all die Töpfe in den Supermärkten mit vorgetriebenen Tulpen, Narzissen, Hyazinthen oder Krokusse machen es uns leicht. Leider landen diese Töpfe oft im Müll. Mit etwas Geduld lassen sich aber die meisten retten.  Nicht alle schaffen das gleich gut, aber Schneeglöckchen, Krokusse, Narzissen oder Traubenhyazinthen sind oft erstaunlich robust.

Wie genau das geht: dazu habe ich euch die genaue Anleitung in diesem kleinen PDF zusammengestellt, umsonst, zum Ausdrucken und Weiterverteilen. Und: Merkt es euch für den Herbst. Denn diesen Frühling auf der Fensterbank könnt ihr euch auch selber machen und dann seid ihr gar nicht mehr auf Plastiktöpfe aus dem Supermarkt angewiesen.  

Ich vergesse das allerdings oft. Und mache es dann so: Wenn die ersten Spitzen im Garten rausgucken, hole ich mir ein paar Zwiebelchen in einem Topf ins Haus. In der Wärme blühen sie schnell – und danach dürfen sie wieder raus in den Garten oder auf den Balkon. Bis zum nächsten Jahr.

Mehr lesen über Frühblüher und Artenvielfalt?

Dann kann ich euch ganz besonders mein Buch „Selbst ist die Pflanze“ empfehlen. Darin geht es ausführlich um selbstständige Pflanzen, Verwilderung und darum, wie Gärten mit der Natur statt gegen sie funktionieren. Nicht nur im Frühling und auf jedem Standort. Und das Buch „Mein Garten – mehr Arten“ empfehle ich euch auch: wie ihr euch Schritt für Schritt eine wunderschöne wilde Frühblüherwiese anlegt (die sich nach der Blüte in einen braven grünen Rasen zurückverwandelt) ist nur eins von vielen Projekten. Immer geht es darum, mit möglichst wenig Aufwand und wenig optischen Veränderungen sehr schnell mehr Artenreichtum in den Garten zu holen. 

 

Alle meine Bücher gibt es überall, wo es Bücher gibt und auch in meinem kleinen Online-Shop. Dann gerne mit Widmung, wenn ihr mögt. 

Mini-Tipp beim Kaufen: Wenn ihr Frühlingsblumenzwiebeln kauft, egal ob im Herbst oder jetzt vorgetrieben: achtet auf möglichst gute Ware (auch wegen Pestiziden & Co.). Eure Wildbienen werden’s euch danken.

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