Hummeln helfen
Was Hummeln mehr brauchen als Zuckerwasser: Blüten und Nistplätze
Warum sterben so viele Hummeln? Im Frühjahr krabbeln sie träge durchs Gras, im Sommer liegen tote Hummeln unter Linden, im Herbst im Laub. Die kurze Antwort: Teils ist es ihr Lebenszklus, teils verhungern sie, sind vergiftet oder erfroren. Und was können wir dagegen tun? Das lest ihr hier. .
Was ist mit Hummeln die (vermeintlich) schlapp auf der Erde krabbeln. Oder regungslos auf einer Blüte hängen? Oft wird empfohlen, sie mit Zuckerwasser wieder fit zu machen. Meistens ist das aber nicht das Richtige. Manchmal ruhen sich Hummeln einfach aus, nach einer dicken Mahlzeit. Oder schlafen. Und wenn sie auf der Erde herumkrabbeln, könnte es sein, dass sie auf der Suche nach einem Nest sind; oder einem Platz für den Winter. Oder: es ist kühles Wetter, dann sind die wechselwarmen Insekten wahrscheinlich einfach nicht auf Betriebstemperatur. Hebt dann das Tierchen dann vorsichtig auf, am besten mit einem Stück Papier und legt es es beiseite ins sichere Gebüsch, wo es auf bessere Flugtemperaturen warten kann. Möglichst nah am Fundort, nicht mit nach Hause nehmen. Sonst findet die Hummel nicht mehr zurück zu IHREM Zuhause.
Ist es dagegen ein sonniger Tag und die Dame liegt einfach wirklich auf der Erde, dann ist Notfallhilfe möglich. Vor allem, direkt nach dem langen Winter, dann könnte es die neue Königin sein, deren Reserven aufgebraucht sind. Vieles, was im Frühling in unseren Gärten blüht, ist nur eine optische Täuschung. Forsythien etwa, die ja auch keine Früchte bilden, haben keinen Pollen und keinen Nektar. Sie sind vor allem auf tolles Aussehen gezüchtet. Nur: Das wissen die Hummelköniginnenn nicht, sie fliegen die signalfarbenen Blüten an, finden aber nichts und fallen irgendwann entkräftet zu Boden. Mit jeder Hummelkönigin, der sie helfen, gut ernährt auf Nistplatzsuche zu gehen, retten Sie ein ganzes Volk. Nämlich das, was die Dame in den nächsten Wochen gründen wird.
Wichtiger als Zuckerwasser sind aber: Blüten. Reichlich Frühblüher pflanzen und das was von alleine kommt, wachsen lassen: Löwenzahn, Taubnesseln, Disteln. Auch Weidenkätzchen werden gerne von Hummeln gefuttert.
Wichtig zu beachten: von vielen Arten gibt es tolle Züchtungen. Gefüllte Akelei, gefüllter Mohn, gefüllte Tulpen. Die sehen spektakulär aus, für Hummeln und andere Insekten ist da aber nichts zu holen. Denn: Bei stark gefüllten Sorten wurden Staubblätter zu hübschen Blütenblättern umgezüchtet; und manchmal sind die Blütenschichten so dick, dass kein Insekt mehr hineinpasst. Und schnell was aus dem Gartencenter kaufen, das kann auch nach hinten losgehen für die Hummeln: denn für den Massenmarkt produzierten Pflanzen sind oft pestizidbelastet.
Unter den Linden: Tote Hummeln
Haben die Hummeln den Start geschafft, gibt es oft ein Problem nach der Lindenblüte. Linden sind großartige und heiß begehrte Nektarquellen, hier können sich haufenweise Insekten tage- und wochenlang satt fressen. Doch wenn die verblüht sind, finden Hummeln in aufgeräumten Parks oft nichts mehr. Das ist der Grund, warum im Sommer oft so viele Hummeln tot unter den Linden liegen: Sie fliegen ihr bekanntes Ziel an, finden nichts mehr an den Linden – und drumherum eben auch nicht mehr. Würden unter den Bäumen Wieseninseln, Klee und Disteln wachsen, Rosen und Brombeeren gäbe es auch genug Futter im Anschluss.
Und im Spätsommer?
Dann sind die Völker am größten, aber dass die Arbeiterinnen sterben, ist der Lebenszyklus. Dennoch brauchen die Hummeln auch jetzt noch Futter, vor allem die Jungköniginnen. Damit die gut gestärkt in den Winter gehen können. Efeu zum Beispiel.
Das Hummel-Jahr
Die frühesten Hummeln fliegen manchmal schon im Winter, wenn es mehrere milde Tage gibt. Frühblüher wie Weiden, Krokusse, Lerchensporn, Lungenkraut sind wichtige Nahrungspflanzen, genauso Löwenzahn und Taubnesseln.
Viele gefüllte Zierpflanzen bieten keinen Nektar.
Nach der Lindenblüte entsteht häufig eine Versorgungslücke: ein bisschen Wildwuchs wie Disteln, Brombeeren oder Klee sind wichtig; und sät und pflanzt vorsorglich Hummelfutter.
Im Herbst brauchen Hummeln vor allem Ruhe. Laub unter Hecken liegen lassen Mäuselöcher zulassen, Nistkästen in Ruhe lassen.
Außer Futter brauchen Hummeln auch noch: Wohnraum
Im späten Winter, frühen Frühjahr starten die im Herbst begatteten Jung-Königinnen. Die frühesten sind die Wiesenhummeln, eine eher kleine Art. Aber auch die anderen Arten, Gartenhummeln, Ackerhummeln oder Waldhummeln verlassen ihr warmes Versteck und gehen auf die Suche nach einem guten Platz, wo sie ihr neues Volk gründen können. Jede hat da eine andere Vorliebe, wo sie am liebsten wohnen: Steinhummeln bevorzugen Steinspalten, Baumhummeln mögen Vogelnester, sie sind deshalb auch schon mal in einem Meisenkasten zu finden und – Achtung – nicht ganz so friedlich, wie wir die Hummeln sonst kennen. Außerdem gibt es noch Erdhummeln und andere lieben verlassene Mauselöcher. Ein Grund, sich mit Mäusen auf ein gutes Miteinander einzulassen. Und Winterquartiere wollen sie auch, gerne gedämmt mit viel Laub, das liegen bleiben darf.
FAQ: Fragen & Antworten
Sind Linden giftig? Oder woran vergiften sich Hummeln? Hummeln vergiften sich an Pflanzen aus „Massenpflanzenzucht“, die im Gartencenter oder Baumarkt durchaus auch als „insektenfreundlich“ angepriesen werden; aber oft mit Pestiziden belastet sind. Unter den Linden im Sommer verhungern die Hummeln. Die Linden waren ihre Tankstelle, sind die verblüht gibt es in unseren ordentlichen Dörfern und Städten oft nichts anderes mehr zu fressen.
Sollte man Hummeln, die ich nicht fliegen, mit Zuckerwasser füttern? Nein. Erst beobachten. Oft ruhen sich die Hummeln nur aus, oder sie schlafen. Oder es ist gerade zu kalt zu fliegen. Einfach so zu füttern kann mehr schaden als nützen.
Bringt ein Hummelkasten etwas? Kann funktionieren, ist aber kein Ersatz für Blühvielfalt und Strukturen. Hummeln haben unterschiedliche Vorlieben für ihr Nest, viele nisten auch in der Erde, in alten Mauselöchern.
Ein bisschen Wildnis im Garten rettet nicht die ganze Welt. Aber vielleicht eine Hummelkönigin im Frühjahr und damit das Volk, dass sie gründen wird – eine ganze Hummelgeneration.
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