Kompost ist Lebensraum und nicht nur Düngerfabrik

Wohnen in der Reste-Rampe

Ein Komposthaufen gilt oft als Ort für Gartenabfälle und Düngergold. Dabei ist er gleichzeitig einer der wichtigsten Lebensräume im Garten. Warm, geschützt, voller Nahrung – für viele Tiere ist er ein echtes Schlaraffenland.

Komposthaufen sind eine kleine Wissenschaft für sich. Es gibt jede Menge Literatur und verschiedenste Methoden, Studien und Weltanschauungen darüber. Und viele Möglichkeiten: Organisches Material lässt sich in offenen Mieten ebenso zu nährstoffreicher Erde verwandeln wie auf kleinstem Raum in geschlossenen Behältern. Aber das ist hier nicht das Thema.

Im Wildnisgarten sind Komposthaufen Lebensräume

Hier geht es um den Lebensraum, denn das ist Komposthaufen ist ganz nebenbei für viele unserer Wildtiere und Gartentiere auch. Hier finden sie in den Resten gutes Fressen. Hier ist es muckelig warm, so dass Eidechsenmamas ihre Eier vom Kompost ausbrüten lassen und Spitzmäuse den Winter verbringen. Auch gegenseitig fressen sich die Tiere: die Vögel die Regenwürmer und die Käfer, die Käfer die Schnecken, die Igel die Käfer. Da viele unserer Garten-Wildtiere an Futtermangel und Wohnungsnot leiden, ist es eine gute Idee, ihnen den Komposthaufen auch zur Verfügung zu stellen. Vor allem im Winter.

Und so gehts

Offen statt abgeschlossen

Wenn ihr Kompost als Lebensraum nutzen wollt, braucht es offene Systeme: eine Kompostmiete, einen Latten- oder Drahtkomposter. Schnellkomposter aus Kunststoff sind für viele Tiere eine Sackgasse. Ideal sind mindestens 1 m Breite, 1 m Höhe und 1–2 m Länge – damit sich innen Wärme entwickeln kann und genug Platz für Rückzug bleibt.

Bodenkonkakt ist wichtig

Der Kontakt zur Erde ist entscheidend. Nur so können Bodenlebewesen einwandern und ihre Arbeit aufnehmen. Bei sehr lehmigen Böden hilft eine dünne Drainageschicht aus Sand oder Kies, damit das unterste Stockwerk nicht im Wasser steht.

Schön geschützt wohnt es sich besser

Halbschattig, windgeschützt, nicht zu trocken, nicht zu nass – dann fühlen sich die Destruenten wohl und die Verrottung läuft gleichmäßig. Extreme Standorte stressen nicht nur den Kompost, sondern auch seine Bewohner.

Schichten, nicht stopfen (oder entsorgen)

Ein Kompost entsteht nach und nach. Eine gute Mischung aus grobem und feinem Material, nicht zu trocken und nicht zu nass, schräg abfallende Seiten – so bleibt Luft im Haufen. Faulende, nasse Komposte sind für Tiere genauso ungünstig wie für euch. Damit auch größere Tiere ihre Plätze finden, könnt ihr zuunterst und dazwischen auch einige große Steine legen. Dann bilden sich Hohlräume – Zimmer.

Nutzung mit Umsicht und Rücksicht

Jede Bearbeitung stört. Ganz vermeiden lässt sich das nicht, aber ihr könnt sie zeitlich entschärfen. Faustregel: nicht im Winter, frühestens nach Ostern, besser im Frühsommer. Viele Tiere schlafen, überwintern oder brüten im Haufen. Seid zu jeder Zeit vorsichtig – niemand mag es, wenn ihm das Dach über dem Kopf weggezogen oder die Kompostgabel in die Seite gerammt wird.

Pro-Tipp fürs Wildnisgärtnern:

Wenn ihr Platz habt, ist ein Zwei-Haufen-System ein guter Kompromiss, oder drei sind noch besser. Ein Haufen wird vorsichtig genutzt. Der andere bleibt Rückzugsort. Gefundene Würmer, Käfer oder Larven wandern einfach hier hin. So bleibt der Lebensraum erhalten – und der Garten bekommt trotzdem Kompost. Oder noch ein bisschen einfacher, für alle die nicht nur mehr Artenvielfalt haben wollen, sondern auch weniger Arbeit: Pflanzt direkt auf dem Kompost: Starkzehrer wie Kürbis, Zucchini, Gurken, Tomaten oder Sonnenblumen lieben diese nährstoffreiche Basis. Der Haufen bleibt stehen, ihr erntet trotzdem – und der Wohnraum wird nicht zerstört.

Kompost als Lebensraum, so gehts in Kürze:

  • Kompost ist ein Ökosystem, kein Abfallhaufen oder eine Düngefabrik

  • Offene Systeme ermöglichen Tierwanderung, Bodenkontakt ist entscheidend

  • Arbeiten möglichst selten und nicht im Winter und im Zwei-oder-Mehr-Haufen-System, das schont Bewohner

  • Starkzehrer direkt auf dem Kompost sparen Arbeit

FAQ: Fragen & Antworten

Zieht ein Komposthaufen Ratten an? Ein gut funktionierender, heißer Kompost ist für Nager eher unattraktiv. Gekochte Speisereste, Fleisch oder Käse gehören nicht hinein. Je besser die Zersetzung läuft, desto schneller verschwinden potenzielle Leckereien.

Muss man einen Kompost unbedingt umsetzen?  Nein. Aus Sicht der Tiere ist es ideal, wenn der Haufen möglichst lange bleibt. Mit Starkzehrern auf dem Kompost oder einem zweiten Haufen lässt sich vieles lösen.

Geht das auch in kleinen Gärten? Auf jeden Fall. Eine große nach allen Seiten ausufernde Miete ist dann sicherlich nicht das Richtige. Gut möglich sind schmale Holzkomposter, Drahtbehälter oder selbst gebaute Rahmen aus Latten oder Rundhölzern. Wichtig ist weniger die Größe als die Kontinuität. Ein Kompost, der über Jahre am gleichen Ort bleibt, entwickelt mit der Zeit eine stabile Tier-WG, auch wenn er klein ist. Auch hier gilt:
Der Haufen sollte Bodenkontakt haben, von allen Seiten Luft bekommen und nicht vollständig austrocknen oder vernässen. Wer wenig Platz hat, arbeitet besser langsamer: Material nach und nach aufsetzen, nicht ständig eingreifen, lieber einmal mehr beobachten als korrigieren.

Verstecken, kaschieren, integrieren: Gerade in kleinen Gärten hilft es, den Kompost gestalterisch einzubinden; hinter einem Reisigzaun, neben einer Trockenmauer, am Rand einer Hecke oder in Kombination mit einem Totholzhaufen. Das sorgt für mehr Ruhe im Kompost – und für weniger Konflikte mit dem eigenen Ordnungsgefühl oder dem Blick von außen.

Mehr lesen über Haufenweise Lebensräume?

Dann kann ich euch ganz besonders mein Buch „Haufenweise Lebensräume – Ein Lob der Unordnung im Garten“ empfehlen. Nicht nur im Kompost gibt es haufenweise Lebensräume – auch Laub-, Reisig- und Steinhaufen stecken voller Leben. Das Buch zeigt, wie sich aus Gartenresten wertvolle Rückzugsorte für Insekten, Vögel, Igel und Eidechsen schaffen lassen. Mit vielen Tipps, Tierporträts und Ideen für große wie kleine Gärten.

 

Alle meine Bücher gibt es überall, wo es Bücher gibt und auch in meinem kleinen Online-Shop. Dann gerne mit Widmung, wenn ihr mögt. 

Geht Kompost auch auf dem Balkon?

Ein klassischer Komposthaufen lässt sich auf dem Balkon natürlich nicht anlegen. Aber im Kleinen und in Teilen lässt sich viel machen. 

Wurmkiste und Bokashi: Wurmkisten und Bokashi-Systeme sind keine vollwertigen Lebensräume wie ein offener Kompost im Garten. Sie sind geschlossene Systeme, in denen gezielt gearbeitet wird, um Abfälle in Nährstoffe zu verwandeln. Absolut sinnvoll, weil sie organische Reste im Kreislauf halten und später wieder in Pflanzgefäße zurückführen. Nichts ist besser als der eigenen Dünger. 

Balkon-Kompost im Topf: Was auf dem Balkon gut funktioniert, sind große Pflanzgefäße, in denen ihr Erde, Holzstückchen, Küchen- und Gartenreste schichtweise unter Mulchmaterial verschwinden lasst und direkt bepflanzt werden. Vom Rosenkäfer bis zum Regenwurm werden sich hier viele Krabbeltiere wohl fühlen, die man so gar nicht auf dem Balkon erwarten würde. Spitzmäuse oder Blindschleichen natürlich eher nicht. Dafür freuen sich viele Vögel, nicht nur über den ein oder anderen „Abfall“; sondern auch über die vielen Insekten. Schön bepflanzt mit Gemüse oder Blumen, die Nährstoffe mögen, habt ihr sogar noch weniger Arbeit. Düngen braucht ihr nicht, und so ein Kompost-Topf speichert schön die Feuchtigkeit. 

Wildnis drumherum: Noch mehr Wildnis-Effekt auf dem Balkon entsteht, wenn auch Laub auf und zwischen den Kübeln liegen bleibt,  durch stehengelassene Stängel, durch Totholzstücke in großen Gefäßen. Kein kompletter Ersatz für einen Gartenkompost, aber deutlich mehr als nichts.

ALLE Gärten sollten einen Kompost haben. Auch dann, wenn ihr den Kompost selbst gar nicht nutzen wollt. Viele Gartenabfälle sind dort deutlich besser aufgehoben als in der Biotonne, die Nährstoffe bleiben im System – und für viele Tiere schafft ihr einen der wichtigsten Lebensräume im Garten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert