Vom kleinen Maulwurf ...

Maulwürfe graben für uns, nicht gegen uns; und schon gar nicht um uns zu ärgern

Maulwürfe sind mal so, mal so beliebt: Für manche sind sie Naturburschen und Sympathieträger, für andere Störenfriede. So richtig sind sie beides nicht, aber: Maulwürfe sind allerbeste Gartenfreunde. Und auch Maulwürfe können unsere Hilfe gut gebrauchen. 

Helfen, so weit kommt’s – dieser Nervensäge? Das denkt sich vielleicht die eine oder der andere, wenn überall und jeden Tag neue seine kleinen Hügel auftauchen. 

Diese Hügel kennen wir alle reichlich. Aber einen Maulwurf live gesehen, erlebt und vielleicht sogar eine Weile beobachtet, das haben viele von uns vielleicht noch nie. Aber wir alle haben das Gefühl, ihn ganz genau zu  kennen. Jeder auf seine Art: Für manche ist er ein Schädling, der unterirdisch den Garten zerstört. Und für andere: Ein Schönling und ein Naturbursche, das Symbol gegen Umweltzerstörung und Flächenfraß. Oder: Im Kinderbuch ist er ein gemütlicher alter Herr, der sich von einer etwas überspannten Grille den Winter über etwas vorfiedeln lässt. (Oder sich von anderen Tieren auf den Kopf machen …)

Ganz nüchtern betrachtet sind Maulwürfe kleine Säuger, Einzelgänger und Insektenfresser, die Gänge graben und unter Naturschutz stehen.

Weil Maulwürfe eben auch in die Kategorie „Gartennervensägen“ fallen, spielt er in meinem Buch „Friede den Maulwürfen“ (wo es um all jene vermeintlichen Plagegeister von Giersch bis Schnecken geht – und wie man ökologisch korrekt und entspannt mit ihnen umgeht) nicht nur die Titelrolle, sondern hat natürlich auch einen langen Interview-Part. 

Mein Buch  gibt es überall, wo es Bücher gibt. Und auch in meinem kleinen Online-Shop, dann auch gern mit Widmung, wenn ihr mögt. 

Hier könnt ihr das Interview mit dem Maulwurf im Wortlaut lesen: 

Also, ich muss sagen, da war ich ein bisschen konsterniert, da machen Sie hier so ein Buch über Plagegeister und die gibt es weiß Gott, gerade eben habe ich mich wieder mit so einer Wühlmaus gezofft und ihr gezeigt, wo es langgeht, und dann gibt es ja auch noch die, die immer meine Hügel platt treten und stinkendes Zeug, Knoblauchsud und Buttersäure in die Gänge schütten und Lärm machen mit einem Radio in der Blechdose, eine Quälerei. Ich höre und rieche extremst gut. Das brauche ich zum Jagen, im Dunkeln ist mit Sehen nicht viel, aber ein Insekt oder einen Wurm höre ich auf 200 Meter Entfernung, so lang sind nämlich  meine Tunnel, und dann bin ich in Sekundenschnelle da und Happs. Beim Gänge schaufeln bin ich nicht ganz so schnell, aber sieben Meter pro Stunde schaffe ich auch, mein Vorderbeine sind wie Grabschaufeln und damit fräse ich durch die Erde wie eine Tunnelbaumaschine. Weil die Luft hier unten dünn ist, habe ich viel Hämoglobin im Blut, so dass ich ziemlich fit und flink bin. 

Jedenfalls, was ich sagen wollte:

DAS sind Schädlinge, aber hallo. Und dann bin ICH auf dem Titelbild. Entschuldigen Sie mal bitte. Ich bin nicht wirklich blind, auch wenn ich nicht so gut sehen kann. Muss ich auch nicht hier unten und bei meinem Wahnsinnsgehör. Was ich aber weiß, dass ich eins der schönsten Tiere bin. Haben Sie schon mal mein Fell gestreichelt,  das war sogar mal als Pelzmantel total in und zumindest auf Zylinderhüten üblich und an Smokingkragen. Nicht, dass ich es toll finde, wenn man unsereins jagt und als Kleidung verwertet, aber nur so, damit Sie sehen wie besonders mein seidenweiches, rabenschwarzes Fell ist. Und ohne Strich gewachsen, damit ich mich gleich gut vorwärts und rückwärts in meinen Gängen bewegen kann.

Meine unterirdischen Röhren sind alles feinste Handarbeit und wirken, wie ein Drainagesystem und lüften und lockern den Boden. Im Sommer grabe ich 40 Zentimeter tief, im Winter bis zu einen Meter, da ist es kälter und ich muss tiefer runter um an die Insekten zu kommen. Ja, die Erde muss dann irgendwann wieder raus. Dass euch die Haufen so stören, ernsthaft? Wer den Anblick nicht mag, erntet die Maulwurfserde einfach, ich brauche sie nicht wirklich. Nur die Löcher, die brauche ich zum Belüften der Gänge. Zuschütten bewirkt nichts, dann muss ich ein neues Loch graben. Frieden ist mir wurscht. Aber wir könnten eine Abmachung treffen. Ihr lasst mich in Ruhe  und ich fresse ´ne Menge Zeug weg, das ihr nicht mögt: Engerlinge, Fadenwürmer, Schnecken. Okay, auch Regenwürmer, die mögt ihr seltsamerweise, die hatten wohl mal ne Imagekampage. Egal, ich find sie auch lecker. Deal?“

So oder so: Weil Maulwürfe unter Naturschutz stehen, ist es verboten, sie zu stören und zu verjagen oder gar zu töten. Insofern sollte man auch von den harmloseste Hausmitteln absehen und sich freuen, dass er da ist oder ihn zumindest dulden.

Und für alle, die Maulwürfe so lieben wie ich oder mehr, kommen jetzt hier die wichtigsten Tipps, um ihnen das Leben und das Überleben ein wenig leichter zu machen:

Das ist einfacher und gleichzeitig schwieriger als für viele andere unserer wilden Gartentiere. Denn: Maulwürfen können wir kein Futter hinstreuen, wir können ihnen keinen Nistkasten bauen oder sie packen und im Keller überwintern lassen wie Igel. 

Maulwürfe machen ihr Ding alleine und dafür brauchen sie die Möglichkeit, das auch tun zu können. Dafür brauchen sie Wildnis.

Das kleine 1x1 der Maulwurfs-Freundlichkeit

Futter ranschaffen

Im Herbst Stauden und alte Pflanzen stehen und liegen lassen. Darin und darunter und an den Wurzeln überwintern Insekten, die Maulwürfe fressen können. Sie machen keinen Winterschlaf und brauchen auch in der kalten Jahreszeit Futter. Auch Laub weitgehend liegen lassen: Eine Laubdecke isoliert, hält Wärme und Feuchtigkeit im Boden – und sorgt dafür, dass das Maulwurfs-Futter (Bodeninsekten) aktiv bleibt. Im Sommer die Grünflächen nicht zu kurz mähen. Je länger die Halme, desto reichhaltiger das Bodenleben. Desto weniger muss er auch graben – übrigens. Wenn bei jeder Pfotenbewegung die Engerlinge dem Maulwurf nur so ins Maul purzeln, ist er schneller fertig. Er gräbt, um zu jagen. Nicht um zu graben. Ein von Hügeln übersäter englischer Zierrasen ist auch ein bisschen Karma 🙂

Außerdem: Käferkeller, Totholz, wilde Ecken – sie sorgen für reichlich Insektenlarven im Boden.
Damit ist das Buffet für den Maulwurf gedeckt – und für viele andere Tiere gleich mit. 

Alles zu Käfern, Käferkeller und Co lest ihr im Beitrag: Käfer im Garten fördern.

Arbeit erleichtern

Boden möglichst wenig betrampeln, befahren (nicht jede Woche mit dem Aufsitzmäher). Je weniger verdichtet, desto besser kann der Maulwurf graben. Und: Kompost, Mulch und kein schweres Gerät helfen allen Bodenbewohnern.

Freie Bahn für Maulwürfe

Maulwürfe suchen ihre neuen Reviere oberirdisch; sie können schwimmen. Aber nicht die Verkehrsregeln und über Mauern klettern können sie auch nicht. Lücken im Zaun sind für Maulwürfe genauso wichtig wie für Igel oder Kröten. Wenn ihr Igel-Tunnel habt, freuen sich auch die Maulwürfe.

Igel-Tunnel als Bauanleitung oder fix&fertig gibt es in meinem kleinen Online-Shop.

Winterhilfe für Maulwürfe

Keine Hügel mehr abernten. Die Löcher mit den Haufen dienen auch der Belüftung der Gänge, wenn beim plattmachen das System gestört wird, muss er neue graben. Im Winter kostet alles sehr viel Energie, bei gleichzeitig weniger Fressen. Das können wir dem Maulwurf ersparen. 

Im Sommer brauchen Maulwürfe Wasser

Wasser hinstellen können wir Maulwürfen nicht. Sie nehmen Flüssigkeit durch die Nahrung auf und sind in der feuchten Kühle der Unterwelt eigentlich gut versorgt. Aber: Bei Hitzeperioden, vor allem, wenn es eher nackte Gärten un Parks sind, trocknet der Boden aus, die Insekten verschwinden. Die Maulwürfe möchten sich dann ein neues Revier suchen, kommen ans Tagesglicht und sterben an Hitze und Dehydrierung. Feuchte, dicht bewachsene Stellen sorgen für einen guten Feuchtehaushalt im Boden und dass es den Maulwürfen gut geht, auch in heißen Sommern. Ideal zum Beispiel, wenn ihr ein Regenspeicherbeet im Garten habt. Oder die Stellen dann gießt, wo ein Maulwurf offensichtlich aufhält. 

Wie so ein Regenbeet funktioniert lest ihr im Beitrag: Wasser lässt den Garten leben.

Das Schöne daran: Mit so einem Garten helft ihr nicht nur dem Maulwurf. Auch Vögeln, Igeln, Kröten, Schmetterlingen und jede Menge anderer Arten.  Das sieht dann vielleicht ein bisschen wild aus, aber: Lieber dass die kleinen Maulwürfe sich freuen, dass sie in einem Wildnis-Garten leben dürfen, als dass ihnen nicht geholfen wird. Wenn ihr euren Maulwürfen auch so eine Auszeichnung schenken und euch für das Wildnis-Schild zertifizieren lassen wollt, dann schaut gern hier: Wildnis ist in Ordnung

Sind es überhaupt Maulwürfe? Oder Wühlmäuse, oder Ratten? Wie ihr das unterscheiden könnt, lest ihr im Beitrag: Wühlmäuse loswerden?!

Was tun, wenn ihreinen verletzten oder kranken Maulwurf findet?

Beobachten

Maulwürfe sind Wildtiere und stehen unter strengem Schutz. Oft tauchen sie nur kurz oberirdisch auf – etwa bei Revierwechsel oder einer Überschwemmung im Gang Dann brauchen sie keine Hilfe. Im Gegenteil. Jede Störung ist Stress. Beobachtet ihn aus sicherer Entfernung: Bewegt er sich regelmäßig, wirkt er wach und kräftig? Dann ist alles gut. Bleibt er dagegen liegen, wirkt orientierungslos, verletzt oder apathisch, dann kann er vielleicht Hilfe brauchen.

Sichern – aber richtig

Wenn der Maulwurf offensichtlich verletzt ist oder nicht mehr von selbst in den Boden zurückfindet, solltet ihr ihn vorsichtig sichern. Tragt dabei unbedingt Handschuhe – Maulwürfe haben kräftige Zähne und reagieren auf Stress mit schlechter Laune. Setzt ihn in eine kleine Kiste oder Schachtel mit Luftlöchern. Ruhe und Dunkelheit, aber kein Futter und keine Milch o.ä.. 
Dann sofort Hilfe organisieren, zumindest theoretisch: bei Tierheimen, Wildtierstationen, Tierärztinnen erfragen, wer sich auskennt mit den kleinen Insektenfressern. Und sich nach deren Anweisungen richten.

Nur kurze Hilfe nötig:

Manchmal ist ein Maulwurf fit und unverletzt, ist aber einfach am falschen Ort gelandet: im Kellerschacht, auf den Straßenbahngleisen. Dann könnt ihr ihm helfen, indem ihr ihn in der Nähe des Fundorts am besten unter Sträuchern oder an einem geschützten Platz mit viel Bodenleben setzt. Dort verschwindet er meist schnell wieder in seinem Element. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert