Nistmaterial im Garten

Was für uns Einrichtungshäuser sind, ist für Vögel und andere Tiere: die Wildnis. Und die räumen wir oft viel zu gründlich weg.

Viele von euch hängen Nistkästen auf und wundern sich im Frühjahr, wenn manche Kästen leer bleiben. Dann wird die Ausrichtung überprüft, die Höhe nachgemessen, vielleicht sogar der Standort gewechselt. Dabei fehlt oft etwas ganz anderes: Interieur.

Nester bestehen nicht nur aus „ein paar Zweigen“. Sie sind durchdachte Bauwerke, und jede Tierart hat ihren eigenen Baustil und auch Einrichtungsstil.

Was ist alles gutes Nistmaterial?

  • Moos und Flechten als Polsterung
  • Brennnesselfasern, alte Disteln, Grashalme und andere Pflanzenfasern
  • Laub, Laub und nochmals Laub
  • Reisig und kleine Zweige als Grundgerüst
  • Matsch und Lehm, um zu stabilisieren
  • Kräuter mit ätherischen Ölen, die Parasiten fernhalten können
  • Federn und Fellbüschel von Wildtieren

 

Ganz schön viel „Kram“, oder? Und genau das ist das Problem: Alles, was wir im Herbst sorgfältig entfernt haben, beim „Garten winterfein“ machen oder beim Frühjahrsputz, sobald die Tage länger werden: FEHLT.

Und wenn Nistmaterial fehlt ....

… nehmen Vögel, was sie finden: Plastikschnüre, Meisenknödel-Netze, Verpackungsfetzen. Das macht Nester instabil, sie können leichter abrutschen, was die Küken gefährdet. Und die Nester werden ungemütlich,  zu kalt oder zu warm, weil Plastikfetzen oder Wolle natürlich ein ganz anderes Raumklima bewirken als Zweiglein, fluffige Pflanzenfasern und Moos. Und: dünne Schnüre oder Netze können zu schweren bis tödlichen Verletzungen führen. 

Auch Haustierhaare auszulegen sind keine gute Idee: Geschoren oder ausgekämmte Haar sind oft viel zu drahtig, sie können sich sich um die kleinen Beinchen schnüren oder – wie im Märchen bei Max und Moritz und den Hühnern – von den Kleinen mit verschluckt werden. Auch die weiche Unterwolle von Hund und Katze ist nicht geeignet: Haustierhaare sind oft mit Medikamentenrückständen belastet, Reste von Spotons mit Zecken- oder Flohmitteln sind tödlich für die Küken.  Extra Wolle auszulegen oder dekorativ aufzuhängen ist gerade ein Trend auf Social Media. Im großen Stil ist das nicht zu empfehlen. Oft ist unklar, ob die Wolle unbehandelt, rückstandsfrei oder frei von Kunstfasern ist. Und wie gesagt: viele Tiere nutzen sie als Notlösung. Lieber wäre ihnen etwas anderes.

Das Beste, damit möglichst viele Tiere nisten, schlafen, brüten, leben können ist: Wildnisgärtnern

Ein Garten, in dem Laub, Brennnesselreste und kleine Reisighaufen bleiben dürfen, Wildkräuter wachsen und Moos, ist kein „ungepflegter“ Garten. Er ist perfekte Wildnis und für alle Gartentiere, vom Vogel bis zum Igel ein Einrichtungs-Paradies. 

  • Lehmige Pfützen und Schlamm helfen Schwalben oder Amseln beim Nestbau.
  • Alte Brennnesselstängel liefern wertvolle Fasern. Genauso Distelfasern oder braune Grashalme. 
  • Laub liegen lassen ist wie immer die allererste Wahl, im Herbst, aber auch jetzt die Reste.Alte Stauden erst im späten Frühjahr schneiden oder am besten gar nicht. 
  • Kleine Reisighaufen anlegen oder liegen lassen. Die Winterstürme haben oft Kleinigkeiten runtergeweht, das ist perfekt.
  • Kein Plastik im Garten benutzen und herumfliegen lassen, keine Tierhaare fliegen oder liegen lassen. Schon gar nicht extra auslegen.
  • Viele Kräuter wie Lavendel oder Schafgarbe werden von manchen Vögeln gerne in die Nester eingebaut, sie können tatsächlich antiparasitär wirken.
  • Selbst kleine Balkone können Material anbieten – z. B. durch eine Laub- und Moos-Ecke oder bepflanzte Kästen, die auch verblüht stehen bleiben darf. 

FAQ: Fragen & Antworten

Soll ich gezielt Nistmaterial anbieten? Besser ist es, Strukturen im Garten zu schaffen, siehe oben. Nistkästen schon zu füllen oder „unnatürliche“ Materialien auszulegen wie Stroh oder Wolle ist keine gute Option.

Geht das auch auf dem Balkon? Ja. Strukturreiche Pflanzgefäße, etwas Laub in einer Ecke, Kräuter, Staudenreste – auch kleine Flächen können Baubedarf decken. Oder richtet eine Materialkiste ein: aber mit Laub, Reisig, Moos und Co. Nicht mit Wolle o.ä.

Liegt es nur am Material, wenn mein Nistkasten leer bleibt? Nein, aber es kann ein Grund sein. Manchmal dauert es einige Zeit, bis die richtigen Interessenten hergefunden haben. Auch zu warm, zu windig, zu laut oder ähnliches kann ein Grund sein, warum niemand brütet. Aber: auch wenn niemand brütet, heißt es nicht, dass der Nistkästen nicht benutzt wird. Vielleicht schlafen im Winter die Meisen darin, und auch das ist wichtig. 

Pro-Tipp fürs Wildnisgärtnern

Mein EBook „Wildnis zum Aufhängen – Das große Ebook der selbstgemachten Tierwohnungen“

In diesem EBook „Wildnis zum Aufhängen“ steht alles, wie ihr mit einfachen Mitteln neue Lebensräume schafft: vom Nistkasten für Meisen bis zum Fledermausquartier, vom Igelhaus bis zum Käferkeller, vom Sandarium bis zum Krötenhaus. Viele der gezeigten Projekte könnt ihr mit Restholz und wenig Werkzeug selbst bauen. Dazu gibt es Hintergrundwissen, praktische Tipps zum Aufhängen, Platzieren und Pflegen sowie Antworten auf die häufigsten Fragen: Welche Höhe ist richtig? Welche Himmelsrichtung? Wie bleibt der Kasten katzensicher? Und was geht auch auf dem Balkon? Ein EBook für alle, die ihren Garten und die Tiere lieben – gerne handwerken – und ihren Garten oder Balkon in ein kleines Stück Wildnis verwandeln möchten.

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